Studie zu Jugend und digitale Mitwirkung

Eine Studie von Vox Natio untersucht, woran digitale politische Beteiligung bei 16- bis 24-Jährigen scheitert und was sie tragen könnte. Unterstützt von der Stiftung Mercator Schweiz wurden in einem ersten Schritt zehn Fachpersonen aus Jungparteien, Jugendparlamenten, politischer Bildung und Forschung befragt. In einem zweiten Schritt prüften junge Menschen in Workshops in Zürich und Bern, ob die Einschätzungen der Fachwelt der eigenen Erfahrung standhalten. Sie taten das nicht am Fragebogen, sondern an der realen Abstimmungsplattform, die sie bedienten, kritisierten und in Teilen neu ordneten.

Der zentrale Befund widerspricht einer verbreiteten Annahme. Zwar lautete die häufigste Kritik «zu viel Text», sie fiel bei nahezu jeder Befragung. Als jedoch eine stark gekürzte Fassung zur Debatte stand, wurde diese ebenso deutlich abgelehnt: zu wenig, um sich eine Meinung zu bilden. Gefragt ist demnach nicht weniger Information, sondern gestaffelte. Ein knapper Einstieg soll in Sekunden klären, worum es geht, während sich Hintergrund, Rechtslage und Parteipositionen bei Bedarf aufklappen lassen. 

Als grösste Hürde erwies sich nicht das politische Thema, sondern der Zweifel an der Wirkung. Wo unklar bleibt, was mit der eigenen Stimme geschieht, unterbleibt die Teilnahme. Auffällig war zudem, dass die Teilnehmenden ein politisches Onlineangebot zunächst als Nachschlagewerk lasen und nicht als Ort zum Mitmachen. Der Übergang vom Informieren zum Handeln erschliesst sich offenbar nicht von selbst.

Wenig Rückhalt fanden spielerische Anreize. Punkte, Abzeichen oder Wettbewerbe kamen in den Fachgesprächen zwar regelmässig zur Sprache, wurden aber ebenso regelmässig relativiert. Für die einen stützen sie die Gewohnheit, für die anderen wirken sie am Thema vorbei. Gewicht hat stattdessen die Frage, ob ein Ergebnis später sichtbar wird und ob es politisch irgendwo andockt.

Beim Vertrauen fällt das Urteil eindeutig aus. Neutralität wird nicht geglaubt, sondern an konkreten Merkmalen gemessen: an ausgewogenen Pro- und Kontra-Argumenten, an nachvollziehbaren Quellen und daran, wer erkennbar hinter einem Angebot steht. Genau diese Ausgewogenheit erhielt in den Workshops das deutlichste Lob. Politische Meinungen gelten den Befragten als besonders schützenswert, und die Registrierung erwies sich als grösste Hürde im gesamten Ablauf. Akzeptiert wird sie dann, wenn sie spät kommt, wenig verlangt und ihren Zweck erklärt.

Die Studie ist eine qualitative Bedürfnisanalyse mit 21 Teilnehmenden, überwiegend männlich, Altersmedian 18 Jahre. Sie erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Ihr Wert liegt darin, Muster und Widersprüche sichtbar zu machen, die eine Umfrage so nicht erfasst. Die Studie steht zum freien Download bereit und darf weiterverwendet werden.

Medienanfragen: Tobias Hauser, Geschäftsführer Verein Vox Natio Schweiz, kontakt@voxnatio.ch

Vox Natio ist auch als App verfügbar!